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Liebe Uschi,
Du hast nach der Behandlung durch die Ärzte hier gefragt, was sie so im Einzelnen mit uns machen. Hier mein Bericht, den ich während der Zeit der Behandlung verfasst habe.
Der ayurvedische Arzt ist sehr gründlich! Er bestimmt erst die Prakriti (= die eigenen Dosha-Konstellation). Du weißt schon: Pitta, Kapha, Vata. Er hat eine genaue Anamnese gemacht und dann einen detaillierten Behandlungsplan erstellt.
G. hat die Grundkonstellation Pitta/Kapha, wobei im Moment, also im Krankheitszustand, beides erhöht ist. Er bekommt also Behandlungen, die beide Doshas senken und Kapha entfernen. Vor allem geht es anfangs darum, alle Schlacken aus dem Körper zu entfernen und die Verdauung zu regulieren. Dazu bekommen wir die verschiedensten Medikamente, die oft aus frischen Pflanzen hergestellt werden. Das machen die Ärzte aber nicht selbst, es geschieht in einer Art Apotheke.
Ich bekam während der ersten fünf Tage erst mal eine Menge Medikamente, die zum Teil etwas eigenartig schmecken.
Früh zwischen 5 und 6 Uhr müssen wir schon Medikamente einnehmen, dann über den ganzen Tag verteilt immer wieder zu bestimmten Zeiten. Wir sind froh, dass uns Taya immer wieder an unsere Medikamente erinnert!
Es sind verschiedene flüssige Kräutermedizinen (Kashayam), Kräuterkugeln oder -Tabletten, die wir erst im Mörser zu Pulver mahlen. Ich nehme noch "medicated Ghee", das sind viele Kräuter in Butterschmalz gekocht. Gar nicht so einfach zum Einnehmen, der Geschmack ist gewöhnungsbedürftig. Doch mit Aristham, einer anderen flüssigen Medizin, lässt es sich schon schlucken.
Um ca. 6.30 Uhr beginnen die Behandlungen.
Bevor die Masseure beginnen, zünden sie eine Öllampe und Räucherstäbchen an und stimmen sich mit einem kleinen Ritual auf die Behandlung ein.
G. bekam am morgen eine sehr kräftige Massage mit wenig Öl von zwei Masseuren gleichzeitig, ich eine Massage mit getrocknetem Kräuterpulver, das war wie abgeschmirgelt werden, aber nicht unangenehm!
Dann wird man in eine Holzbox gesetzt. Nur der Kopf schaut oben 'raus. Dampf von Wasser, das mit versch. Kräutern gekocht wird, wird so lange eingeleitet, bis sich kleine Schweißperlen auf der Nase zeigen. Durch diese "Dampfsauna" werden die Toxine ausgeschieden, die vorher durch die Massage gelöst wurden.
Anschließend duschen wir uns mit einem Kräuterwasser, das Taya täglich frisch in einem großen Kessel im Hof zubereitet. Es muss auf offenem Feuer gekocht werden. Einige Steine werden als Feuerstelle hingelegt, Brennmaterial sind die dicken Enden von Kokosblättern und die Schalen der Kokosnüsse. Mindestens zehn verschiedene Kräuter, Rinden, Wurzeln werden in einer bestimmten Reihenfolge in einen riesigen Kupferkessel gegeben und dann ziemlich lange gekocht und köcheln lassen, bis das Wasser eine dunkelrote Farbe hat. Außerdem holt Taya oder der Masseur noch Kräuter aus der Umgebung, die zusätzlich zu den Rinden, Wurzeln und getrockneten Früchten mitgekocht werden. Taya scheint sich da gut auszukennen, wo etwas wächst, er achtet sehr genau darauf, dass alles ganz richtig gemacht wird.
Beim Duschen bin ich immer ganz ehrfürchtig und finde es schade, dass dieses kostbare Wasser den Gulli hinausläuft.
Wir dürfen auch keine Seife, Shampoo etc. verwenden, sondern nur dieses Wasser und fein gemahlenes Mungbohnenpulver, das hier ebenfalls selbst gemahlen wird.
Zum Kopfwaschen machen sie uns immer gemixte Hibiskusblätter; das ist dann so eine etwas gallertartige Paste, die etwas seifig wird. Schon ganz schön aufwändig und sehr interessant! Ich soll gar nicht aus dem Haus gehen, auch nicht auf die Terrasse, d.h. ich soll immer im Schatten bleiben. Auf der überdachten Dachterrasse lässt es sich jedoch recht gut aushalten. Tut einfach gut, nur so dahindösen zu können!
Am Nachmittag bekam G. noch eine Nasenbehandlung mit Öl und Rauch, er musste den Rauch einziehen, anfangs tat es im ganzen Kopf sehr weh. Dadurch löst sich jedoch der Schleim im ganzen Kopf und kann ausgespuckt werden - es war allerdings recht anstrengend! Jetzt ist es vorbei und im Moment hat G. auch keinen Schnupfen mehr.
Ich bekomme jetzt Kizhi, eine Massage mit Kräuterbündeln. Auch wieder acht verschiedene frische Kräuter, die erst klein geschnitten und dann etwas angeröstet werden, Zitrone, etwas Kurkumapulver, geraspelte Kokosnuss, verschiedene andere Kräuterpulver, je nach Doshazustand, und etwas Steinsalz kommt dazu. Dann wird diese Masse in einem Tuch zu einer Art Stempel oder Riesentupfer zusammengebunden, insgesamt sind es immer vier dieser "Tupfer". Jeweils zwei davon werden im Wechsel in heißes "Medicated Oil" getaucht. Auf diese Weise werden die Inhaltsstoffe der Kräuter gelöst. Mit diesen Kräuterbeuteln wird so heiß wie möglich massiert. Ich finde es ganz angenehm, es macht schön heiß, lebendig und wach, Lebensgeister kommen wieder.
Allerdings: Keine Sonne, kein Wind, nicht rausgehen!
Die zwei Masseure sind sehr kompetent und erfahren, dazu auch sehr sorgsam, was bei der heißen Öl-Anwendung auch sehr wichtig ist.
Ich hatte in der letzten Woche nur eine Behandlung am Morgen. Ab morgen (heute ist für mich ein Ruhetag, da ich erkältet bin) bekomme ich vormittags eine Ölbehandlung (Pizhill). Dabei wird viel warmes Öl synchron über den Körper geschüttet. Es ist wieder "Medicated Oil", also mit verschiedenen Kräuterauszügen versetztes Öl, das auch die Schadstoffe herauslöst und den gesamten Organismus entspannt und beruhigt.
Am Nachmittag bekomme ich dann einen Stirnölguss (Shirodhara). Meist wird dazu auch warmes Kräuteröl verwendet, für mich wird jedoch eine Kräuter-Joghurt-Mischung zubereitet: Frisch gesammelte Kräuter werden ganz fein in einem Steinmörser zerrieben und mit Milch angesetzt. Diese Mischung bleibt über Nacht stehen, damit sie zu Joghurt wird. Vor der Anwendung wird alles durch ein Tuch geseiht. Ich bekomme diese Mischung wegen meiner großen Erschöpfung und den Konzentrationsproblemen.
G. wird eine "Klopfbehandlung" mit Reis-Kräuter-Mischung bekommen. Wie uns erklärt wurde, wird dafür ein ganz spezieller Reis in einem Kräutersud gekocht, dessen Zusammensetzung sich nach den Beschwerden richtet. Dieser "Reisbrei" wird ebenfalls in Tüchern zu Tupfern gebunden. Diesmal allerdings nicht in warmes Kräuteröl getaucht, sondern in ein heißes Milchkräuterwasser. Während der Massage dickt das Milchwasser etwas ein (Heidi zeigte uns Bilder dazu) und man sieht dann aus wie mit Karamellpudding eingeschmiert. Dieses "Navarakizhi" ist für G. nötig, da bei ihm ein Pitta-Überschuß vorhanden ist und die Behandlung "kühlend" wirkt. Er bekam auch etwas Ausschlag auf der Brust (ausleitungsbedingt). Dieser wird nun mit einer frisch zubereiteten Kräuterpaste abgedeckt. Mit dieser Paste "darf" er zwei Stunden ruhen, damit sie auch lange genug einwirken kann.
Der Arzt kommt oft dazu und begutachtet, was angewendet wird, gibt Hinweise und erklärt. Er beobachtet sehr gut und kann die kleinsten Veränderungen sehen.
Er überprüft Blutdruck und Befinden, bespricht die weiteren Schritte mit Taya, der alles koordiniert.
Wie gewöhnlich sage ich auf die Frage, wie es mir geht "ja danke, ganz gut". Der Arzt wackelt leicht mit dem Kopf, was hier alles bedeuten kann, guckt mir in die Augen, fühlt ein bisschen Hauttemperatur, Puls und sagt: "noch nicht ganz gut". Auf jeden Fall lerne ich auf diese Art und Weise, mich etwas genauer wahrzunehmen. So fühle ich jetzt viel deutlicher, wenn ich Hunger habe, da wird es mir schnell ganz flau und ich bekomme leichte Kopfschmerzen. Zu Hause übergehe ich das meistens, das führt dann wieder zu noch mehr Vata. Mein jetziger Doshazustand ist Vata/Pitta, beides erhöht.
G.s Nase ist sehr viel besser geworden, aber noch nicht stabil. Nach zwei Wochen Behandlung sind wir damit recht zufrieden. Der Arzt meinte, nach vier Jahren Beschwerden sei dies schon ein beachtliches Ergebnis. G. bekommt morgens und nachmittags Behandlungen und auch die verschiedensten Medikamente. Tagsüber dürfen wir, besonders er, nicht schlafen, da dies wieder Kapha erhöhen würde.
Außerdem wird das Essen genau auf den Doshatyp eingestellt, da achtet der Arzt auch sehr darauf. Es ist, wie hier üblich, fast immer Reis oder eine Art Pfannkuchen zum Frühstück, mit den verschiedensten Gemüsecurries; diese sind sehr gut gewürzt und etwas scharf. Auf die Gewürze kommt es aber an, denn die haben die unterschiedlichsten Wirkungen.
G. durfte jedoch eine Woche lang nur eine gänzlich ungewürzte Suppe mit Reis und grünen Mungbohnen essen, um die Wirkung der Medikamente nicht zu stören.
Für die ayurvedische Heilkunst ist das Essen sehr wichtig. Über das Essen lassen sich die Doshas regulieren und das bedeutet: gesund bleiben oder auch nicht. Das Essen wird genau besprochen und Heidi achtet ja sehr darauf, dass wir auch das Richtige bekommen! Zum Teil kocht sie für jeden extra, auch für jeden von uns literweise spezielle Tees aus Gewürzen oder Hölzern, die die Ausleitung der Toxine unterstützen.
Zwischen den drei Behandlungsabschnitten wird jeweils ein reiner Ausleitungstag eingeschoben. An diesen Tagen gibt es keine Behandlungen. Kräuterpulver oder -öl einnehmen, je nach Doshaverteilung, und viel lauwarmes Wasser trinken, bringen den Darm auf "Vordermann".
Nach drei Wochen hat sich unsere Haut ganz sichtbar geglättet. Wir sind entspannt, fühlen uns zugleich doch auch frisch und belebt.